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IT-Team plant eine Cloud-Migration an einem Whiteboard mit Architekturdiagramm

// Ratgeber · Cloud

Cloud-Migration vorbereiten: die Checkliste vor dem ersten Umzug

Was geklärt sein muss, bevor die erste Anwendung verschoben wird — von der Abhängigkeitsanalyse über Identitäten und Anbindung bis zum Weg zurück.

// Vorbemerkung

Die Reihenfolge entscheidet, nicht die Plattform

Die Frage, welche Cloud es werden soll, wird meist zuerst gestellt und ist selten die wichtigste. Entscheidend ist, welche Anwendungen überhaupt umziehen sollen, was zwischen ihnen an Daten fließt und in welcher Reihenfolge sich der Umzug ohne Betriebsstillstand abbilden lässt.

Diese Vorarbeit heißt Readiness. Sie klingt nach Bürokratie und ist tatsächlich der Teil, der später die Abende rettet. Wie eine Cloud-Umgebung anschließend aufgebaut und betrieben wird, steht auf unserer Seite zu Cloud-Lösungen; den geordneten Umzug selbst beschreibt die Seite zur Cloud-Migration.

Die folgende Liste ist bewusst so geschrieben, dass Sie sie ohne Anbieter durchgehen können. Wenn Sie an drei Punkten hängen bleiben, haben Sie den Projektumfang gefunden.

// Readiness

Sechs Punkte, die vor der Entscheidung stehen

Jeder Punkt ist eine Frage an den eigenen Betrieb. Wer sie beantworten kann, bekommt belastbare Angebote statt einer Plattformempfehlung.

  • Anwendungen vollständig erfassen

    Auch die kleine Datenbank in der Buchhaltung und das Werkzeug, das nur eine Abteilung nutzt. Genau diese Systeme tauchen später als Blockierer auf.

  • Abhängigkeiten sichtbar machen

    Welche Anwendung spricht mit welcher, über welche Schnittstelle, in welche Richtung? Was zusammenhängt, muss gemeinsam umziehen oder braucht eine Zwischenlösung.

  • Datenschutz und Speicherort klären

    Wo werden personenbezogene Daten verarbeitet, welcher Vertrag regelt das, und wer hat technisch Zugriff? Diese Prüfung gehört vor die Auswahl, nicht hinter die Migration.

  • Anbindung des Standorts prüfen

    Nach der Migration läuft alles über die Internetleitung. Bandbreite, Verfügbarkeit und ein Ersatzweg müssen zur neuen Abhängigkeit passen.

  • Identitäten und Anmeldung ordnen

    Ein zentrales Verzeichnis mit sauberen Konten und zweitem Faktor ist die Voraussetzung. Ungepflegte Benutzerkonten wandern sonst eins zu eins in die neue Umgebung.

  • Lizenzen und Verträge prüfen

    Nicht jede Lizenz darf in einer fremden Umgebung betrieben werden, und Laufzeiten bestehender Verträge bestimmen mit, wann ein Umzug überhaupt wirtschaftlich ist.

Team plant eine Cloud-Migration an einem Whiteboard mit Architekturdiagramm

// Entscheidung je Anwendung

Drei Wege, und alle drei sind legitim

Sortieren Sie jede Anwendung aus Ihrer Liste in genau eine dieser Spalten. Erst danach lohnt ein Gespräch über Plattformen.

Weg 1

Mitnehmen wie sie ist

Die Anwendung zieht unverändert in eine gemietete Umgebung um. Schnell umsetzbar, ändert aber nichts an Aufbau und Pflegeaufwand.

  • Geeignet bei kurzem Zeitfenster oder auslaufender Hardware
  • Kosten bleiben sichtbar, Einsparungen sind gering
  • Der Betrieb bleibt in Ihrer Verantwortung
Weg 2

Durch einen Dienst ersetzen

Statt der eigenen Installation wird ein fertiger Dienst genutzt. Der größte Nutzen und zugleich der größte Eingriff in gewohnte Abläufe.

  • Wartung und Aktualisierung entfallen aus Ihrer Sicht
  • Prozesse müssen sich an den Dienst anpassen, nicht umgekehrt
  • Datenübernahme und Schulung sind der eigentliche Aufwand
Weg 3

Bewusst im Haus lassen

Manche Systeme gehören dorthin, wo die Daten entstehen — an Maschinen, an große lokale Bestände oder an eine Anwendung kurz vor der Ablösung.

  • Kurze Wege zu Produktion und Messtechnik bleiben erhalten
  • Kein Umzug für ein System, das ohnehin abgelöst wird
  • Der Mischbetrieb muss beim Netzentwurf mitgedacht werden

// Durchführung

In Wellen statt an einem Stichtag

Nach jeder Welle steht ein Zustand, in dem der Betrieb normal weiterlaufen kann. Das ist der Unterschied zwischen einem Projekt und einem Wochenende mit offenem Ausgang.

01 · Welle 0

Grundlagen aufbauen

Verzeichnis, Anmeldung, Berechtigungen und Netzanbindung entstehen zuerst. Ohne dieses Fundament wandert jede Anwendung auf unsicheren Grund.

02 · Welle 1

Unkritisches zuerst

Beginnen Sie mit Systemen, deren Ausfall den Betrieb nicht anhält. Diese Welle ist die Generalprobe für Ablauf, Kommunikation und Zeitbedarf.

03 · Welle 2

Die verflochtenen Systeme

Anwendungen, die miteinander sprechen, ziehen gemeinsam um. Hier zeigt sich, ob die Abhängigkeitsanalyse vollständig war.

04 · Abschluss

Altsysteme abschalten

Erst wenn die neue Umgebung nachweislich trägt, gehen alte Systeme vom Netz. Parallelbetrieb kostet, aber weniger als ein Rückzug ohne Rückweg.

// Absicherung

Der Rückfallplan, den niemand gern schreibt

Vor jeder Welle sollte feststehen, wie der Zustand davor wiederhergestellt wird. Diese Punkte gehören schriftlich fest, bevor die erste Anwendung angefasst wird.

  • Wer entscheidet über den Abbruch, und bis wann ist diese Entscheidung möglich
  • Wie lange bleibt das Altsystem betriebsbereit, nicht nur eingeschaltet
  • Wie kommen Daten zurück, die in der neuen Umgebung bereits verändert wurden
  • Welche Zugänge und Weiterleitungen müssen dafür wieder umgestellt werden
  • Wer informiert die Belegschaft, und über welchen Weg — wenn E-Mail gerade nicht geht
  • Wann gilt eine Welle als abgeschlossen, sodass der Rückweg geschlossen werden darf

// Häufige Fragen

Fragen vor einer Cloud-Migration

Vorhaben besprechen? Zum Kontakt
01

Womit beginnt eine Migration sinnvollerweise?

Mit einer vollständigen Liste der Anwendungen und ihrer Abhängigkeiten — nicht mit der Auswahl einer Plattform. Migrationen geraten in der Praxis häufig an einer Schnittstelle ins Stocken, an die niemand gedacht hat, weil sie in keiner Liste stand.

02

Muss wirklich alles in die Cloud?

Nein, und diese Annahme verursacht vermeidbare Kosten. Systeme mit hohen Datenmengen im Haus, an Maschinen gebundene Software oder Anwendungen kurz vor der Ablösung bleiben oft besser, wo sie sind. Eine Migration ist eine Entscheidung je Anwendung, nicht je Unternehmen.

03

Was passiert mit unserer Internetleitung?

Sie wird zum kritischen Bauteil. Was vorher im eigenen Netz lief, läuft danach über den Anschluss — inklusive Telefonie und Dateizugriff. Bandbreite, Verfügbarkeit und ein zweiter Weg für den Ausfall gehören deshalb vor die Migration, nicht danach.

04

Wie lange dauert so ein Vorhaben?

Das hängt an der Zahl der Anwendungen und ihrer Verflechtung, nicht an der Datenmenge. Realistisch ist ein Vorgehen in Wellen über mehrere Monate, bei dem nach jeder Welle ein stabiler Zustand erreicht ist — statt eines Stichtags, an dem alles gleichzeitig umzieht.

05

Welche Rolle spielt der Speicherort der Daten?

Eine große, sobald personenbezogene Daten betroffen sind. Der Ort der Verarbeitung, der Auftragsverarbeitungsvertrag und die Frage, wer technisch Zugriff hat, gehören vor der Entscheidung geklärt — nachträglich lässt sich ein einmal migrierter Bestand nur mit Aufwand zurückholen.

06

Was ändert sich für den laufenden Betrieb danach?

Die Arbeit verschiebt sich von Hardwarepflege zu Verwaltung von Zugängen, Lizenzen und Kosten. Cloud-Umgebungen wachsen still: Wer keine feste Kontrolle über angelegte Dienste und Konten führt, zahlt nach einem Jahr für Dinge, die niemand mehr benennen kann.

Weiterführend

Alle Ratgeber

Wie viele Anwendungen stehen auf Ihrer Liste?

Wenn Sie die Liste haben, sortieren wir sie gemeinsam in die drei Wege ein und schlagen eine Reihenfolge vor, die zum Tagesgeschäft passt.